Camelus, ein Kameltier
Der Harn des Kamels hilft gegen den Gestank der Nase und gegen die Verstopfung der Därme. Wascht man sich damit den Kopf, vertreibt er die Schuppen.
Aus dem Buch der Natur: Das Kamel ist ein ungestaltes Tier, hochmütig, hat einen langen Hals, knotige Beine, einen langsamen Gang, und wenn es geht, bewegt es kaum die Füsse. Und es ist ein unreines Tier nach dem Gesetz, denn es hat eine Klaue, aber sie ist nicht geteilt. Wenn man es beladen will, so schlägt man ihm ein wenig auf die Knie, und sogleich neigen sie sich mit dem Hals und Rücken zur Bürde. Sie trinken nicht das klare Wasser, sondern das trübe, und das um ihrer Nahrung willen; denn ein jedes Element, je mehr es mit den anderen vermischt ist, desto mehr nährt es, und umgekehrt.
Die zornigen Kamele schreien grausam; sie können auch dem Wahnsinn verfallen und das Podagra [Gicht] bekommen, woran sie leicht sterben. Sie werfen ihre Klauen nicht ab, haben aber grosse Schmerzen, wenn sie lange harte Wege gehen; sie haben an den Füssen keine Bundschuhe aus starkem Leder [wie die Pferde]. Gerste verschlingen sie rasch und behalten sie, auf dass sie sie wiederkäuend die ganze Nacht essen.
Die echten Kamele haben einen Höcker auf dem Rücken. Es gibt auch ein anderes Geschlecht, das sie Dromedare nennen; sie sind kräftig und rennen schnell. Sie haben zwei Spitzen auf ihrem Rücken [heute ist es umgekehrt]. Die Kamele haben einen Bauch wie Tiere, die Hörner haben. Weil ihre Speise dornig ist, brauchen sie eine fleischige Zunge, um der Härte ihres Rachens willen. Darum hat das Kamel oben keine Schneidezähne. Das Kamel hat nicht eine geteilte Galle, sondern kleine Adern, in denen die Galle ist.
Solinus: Die Weibchen der Kamele werden zum Streit vorbereitet, und man achtet darauf, dass sie stärker werden, wenn man sie kastriert. Die Kamele, welche die Menschen zum Kriege brauchen, die kastriert man, denn so werden sie nicht fett. Die Menschen, die da wohnen an den hohen Orten, haben dreitausend Kamele, die schneller laufen als ein Pferd, und das geschieht wegen den grossen Distanzen.
Vegetius im 3. Buch der Kriegsläufe: Die Kamele haben bei den Alten etliche Völker an die Kriegsfront geführt. Das Geschlecht der Tiere ist geschickt in der Wüste. Man sagt, dass die Kamele auch den verwehten, vom Wind mit Staub bedeckten Weg ohne Irrtum weisen. Aber ohne neue Waffen ist es ungeschickt zum Krieg.
Die Männlein der Kamele haben ihren Penis am Hinterteil, darum machen Sie ihre Notdurft nach hinten. Ihr Penis ist adrig und hart, darum macht man aus ihm Sehnen für die Bögen.
Zu der Zeit seiner Brunft sucht es die Einöde und Heimlichkeit; das Kamel ist sehr böse zu der Zeit seiner Minne, und ob ein Mensch oder Vieh dann zu ihm käme, das schädigte es. Es ist über drei Jahre in der Brunft, und zur Zeit der Geilheit ist es allein mit dem Weibchen wild und grausam, und den ganzen Tag reitet er sie. So er aber sonst unkeusch ist, ist er doch mässig gegen seine Mutter. In einer Stadt verhüllte man den Kopf eines Kamels, auf dass ihr Junges darauf springe. Dieses begann die Paarung mit dem Tier, und als die Decke danach entfernt wurde und es seine Mutter erkannte, stieg es herab und biss denjenigen, der das angerichtet hatte, zu Tode. Das Kamel trägt ein Jahr; und nach der Geburt ruht es ein Jahr, und es macht nur ein Junges, so wie ein Elefant, ein Pferd und ein jedes Tier, das Hufe hat. Die Kamele leben hundert Jahre und ertragen Durst vier Tage lang, und danach trinken sie viel. Dem Tier hat die Natur Grösse des Körpers gegeben, als einem Arbeitstier wie ein Elefant. Wie alle Tiere, deren Speise aus hölzerner Materie und dornig ist, hat es viele Bäuche.
Wirkung
Avicenna. Das Fleisch von einem Kamel treibt den Harn; und das fette Schmalz im Höcker des Kamels hilft gegen Hämorrhoiden, wenn man sich damit räuchert. Das Hirn des Kamels gedörrt und mit Essig getrunken, hilft denen, die die fallende Sucht [Epilepsie] haben. Dazu ist auch sein Blut gut. Welches auch gedörrt und gebacken den Fluss stillt; mit Wein getrunken, heilt es Wunden. Aber nach dem Purgieren [Abführen] und Reinigen der Frauenzeit getrunken, hilft es zur Empfängnis und ist gut für die Frauen, deren Gebärmutter verstopft ist.
Die Milch des schwangeren Kamels ist fein und fast wässrig. Darum macht sie keine Verstopfung wie die andere.
Die Kamelmilch ist salzig, denn sie lieben die bitteren und sauren Dinge, es ist die beste Milch. Man sagt aber, dass sie im Magen aufliege. Man hat von ihr keine Schäden zu befürchten wie von anderer Milch.
Der Harn des Kamels dient den Wassersüchtigen. Er hilft gegen den Gestank der Nase und gegen die Verstopfung der Därme. Wascht man sich damit den Kopf, vertreibt es die Schuppen.
Dioskurides spricht: Des weissen Kamels Kot mit Honig gestossen und auf die Geschwulst gelegt, lässt diese abklingen. Und er reinigt auch wüste Wunden.
Haly der Meister spricht, dass des Kamels Blut zerrieben gut sei gegen die rote Ruhr, und den Blutfluss und das Abnehmen. Die Milch des Kamels ist auch gut für jene, die Gift getrunken haben. Sie hilft gegen Schwierigkeiten bei der Verdauung, und mehrt den Leib und den Bauch.
Plinius: Der Kot des Kamels reinigt und vertreibt die Warzen, er stillt Nasenbluten, und wenn man ihn mit anderen Arzneien trinkt, ist er gut gegen die fallende Sucht (Epilepsie).
Landtiere, 27. Kapitel
