Delfin, ein Meerwunder
Die Delfine haben ihre Augen am Rücken und den Mund auf der anderen Seite. Darum können sie ihre Beute und ihre Nahrung nicht gut packen.
Actor sagt, dass der Delfin mit seinem Wesen des Menschen Bruder sei. Aus dem Buch der Natur: Der Delfin hat als seine Stimme ein Seufzen gleich dem Menschen. Die Zunge der Delfine ist nicht frei beweglich, ihre Lippen gehen zusammen, sodass sie greinen weinen oder Stimmen machen können. Sie schlafen auf dem Wasser, sodass man sie schnarchen hört. Sie leben bis zu 30 Jahre.
Da aber die Schiffsleute Arion, den Harfenspieler, im Meer töten wollten, erlangte er von ihnen, dass sie ihn zuvor auf der Harfe spielen liessen. Zu diesem Gesang sammelten sich die Delfine, und als er sich selbst in das Meer stürzte, wurde er von einem Delfin empfangen und an das Land geführt. Allein der Fisch Delfin (wie Aristoteles sagt) hat unter allen Fischen keine Galle.
Aristoteles: Der Delfin hat seine Kinder sehr lieb, darum säugt er sie lange Zeit. Allein unter allen Fischen gebiert er ein vollkommenes Tier und hat Brüste und säugt seine Jungen. Und wenn ein Delfin stirbt, so versammeln sich die anderen und tragen den Toten in die Tiefe des Meeres; dort begraben sie ihn, damit er nicht von den Fischen gefressen werde.
Ebenso sind die kleinen Delfine immer beieinander wie das Vieh, und sie haben zwei alte, grosse Delfine bei sich als ihre Hüter. Und wenn einer unter ihnen stirbt, so tragen sie den auf ihren Schultern und Achseln; sie verhindern, dass er von anderen Fischen angegriffen wird, so lange, bis der Tote vom Ungewitter des Meeres an das Land geworfen wird; denn sie haben einander sehr lieb.
Darum sagt man (wie Plinius schreibt): Als ein Delfin vom König von Karien gefangen wurde, da kam eine grosse Schar der anderen an den Hafen, wo er gefangen und gebunden war. Da diese also schrien und trauerten, als ob sie Barmherzigkeit begehrten, hiess ihn der König freilassen.
Physiologus: Die Delfine haben ihre Augen am Rücken und den Mund auf der anderen Seite. Darum können sie ihre Beute und ihre Nahrung nicht gut packen wegen der ungünstigen Lage des Mundes zu den Augen. Darum kehren sie ihren Mund gegen den Himmel, Rücken und Augen zur Erde, damit sie ihre Nahrung erlangen. Wenn ein Gewitter im Anzug ist, so spielen sie oben auf dem Wasser, dass man sie sieht. Man sagt auch, dass sie denen Hilfe leisten, die im Wasser in Not sind. Und man sagt, dass sie weinen, wenn sie gefangen werden.
Wirkung
Plinius. Die Asche des Delfins, mit Wasser aufgestrichen, heilt die Geschwüre und Aussätzigkeit.
Manche legen den Delfin in ein irdenes Geschirr, bis dass sein Fett gleich dem Öl fliesst, oder sie kochen es und schmieren es dann auf.
Er heilt Fieber, besonders seine Leber.
Des Delfins Schmalz, zerlassen und mit Wein getrunken, dient den Wassersüchtigen.
Den Lippen und dem Zahnfleisch hilft auch des Delfins Asche mit Honig, wenn damit das Zahnfleisch mit den Zähnen berührt wird.
Fische, 27. Kapitel
